Warum sehen Koreaner so jung aus? Ein 46-jähriger Koreaner antwortet

Wenn ich einen neuen Kollegen kennenlerne, läuft das Gespräch fast immer gleich ab. Woher kommst du? Aus Korea. Wann bist du nach Deutschland gekommen? Was hast du vorher gemacht? Und irgendwann, ganz sicher, kommt die Frage nach dem Alter.

Ich sage: 46.

Dann kommt eine kurze Pause. Und dann: „Was? Ich dachte, du bist höchstens Ende zwanzig!“

Meine Standardantwort ist ein Witz: „Gute Gene. Und Kimchi.“ Aber die Frage dahinter ist eigentlich interessant. Warum sehen viele Koreaner jünger aus, als sie sind? Ich habe das jetzt einmal richtig nachgelesen. Die Antwort hat drei Teile: die Gene, die Gewohnheiten und unsere Augen.

Die Gene

Studien zeigen: Ostasiatische Haut bildet Falten später als europäische Haut, oft rund zehn Jahre später. Die Haut ist im Durchschnitt etwas dicker und verliert langsamer an Spannung. Dafür bekommen wir früher Pigmentflecken. Jede Haut altert also, nur anders. Bei Europäern sieht man zuerst Falten, bei Koreanern zuerst Flecken. Und Falten sind nun mal das, woran man Alter erkennt.

Die Gewohnheiten

Sonnencreme ist in Korea so normal wie Zähneputzen. Viele Koreaner tragen sie jeden Tag, auch im Winter, auch im Büro. Sonnenbaden ist dagegen unüblich. In Europa legt man sich im Sommer gern in die Sonne. In Korea läuft man mit Hut, Sonnencreme und manchmal sogar mit Sonnenschirm herum. UV-Licht ist der größte Faktor bei der Hautalterung. Wer die Sonne meidet, sieht später einfach jünger aus. Dazu kommt die bekannte koreanische Hautpflege. Zehn Schritte braucht niemand, aber die Grundidee ist ernst gemeint: früh anfangen, jeden Tag, ein Leben lang.

Unsere Augen

Der dritte Teil hat nichts mit Haut zu tun, sondern mit Wahrnehmung. Wir schätzen das Alter von Gesichtern, die wir gut kennen, ziemlich genau. Bei fremden Gesichtstypen liegen wir oft daneben. Wer in Europa aufwächst, sieht jeden Tag europäische Gesichter und ist darauf trainiert. Bei einem koreanischen Gesicht fehlen die gewohnten Anhaltspunkte. Übrigens funktioniert das in beide Richtungen: Ich kann das Alter von Europäern auch schlecht schätzen.

Zwei Bonus-Fakten

Erstens: Fast alle Koreaner haben eine Variante des Gens ABCC11. Dadurch riecht der Schweiß unter den Achseln kaum. Deo spielt in Korea deshalb eine viel kleinere Rolle als in Europa. Dasselbe Gen sorgt übrigens für trockenes Ohrenschmalz. Ein Gen, zwei Effekte.

Zweitens: Bis 2023 hatte Korea ein eigenes Alterssystem. Bei der Geburt war man schon ein Jahr alt, und an Neujahr wurde das ganze Land ein Jahr älter. Seit Juni 2023 gilt offiziell das internationale Alter. Ich bin also vor drei Jahren offiziell jünger geworden, ohne irgendetwas zu tun.

Und wenn mich nächste Woche wieder jemand fragt, wie alt ich bin, sage ich einfach: 46. Und genieße die Pause danach.

Quellen

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Frage an ein denkendes Wesen

Die Wiedergeburt Südkoreas als Anlagemarkt? Eine tiefgehende Analyse, warum das Corporate Value-Up Program den Korea-Discount beenden könnte

투자 시장으로서의 한국의 재탄생? 기업 밸류업 프로그램이 코리아 디스카운트를 끝낼 수 있는 이유에 대한 심층 분석